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Vereinsgeschichte 1925 - 1985
Der Versuch, aus den Gründungsjahren des Vereins zu berichten, gestaltet sich sehr schwierig, denn alle Unterlagen aus der Zeit bis zum 2. Weltkrieg sind in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit verloren gegangen
Mündlichen Überlieferungen zufolge schlossen sich zwei in Birgelen bereits bestehende, aber miteinander rivalisierende kleine Musikgruppen am 20.12.1925 zusammen und gaben sich den Namen „Eintracht. Diesen Namen führt und verwirklicht der Verein bis heute noch. Zu den Gründern und Wegbereitern des neuen Vereins gehörten Josef Deckers, Josef Zimmermanns, Josef Schmitz, Hermann Schmitz und Heinrich Stein.
Josef Schmitz, genannt „Jetefells Jupp, Besitzer einer kleinen Hausweberei in der Sandstraße, leitete die Geschicke des Vereins. Er war gleichzeitig 1. Vorsitzender, Schriftführer und Kassierer. Geprobt wurde in seiner Weberei und an kalten Wintertagen auch in seinem Wohnzimmer. Bilder aus der Zeit zwischen den Weltkriegen lassen erkennen, dass der Verein in seiner Mitgliederzahl stetig wuchs. Auch musikalisch ging es schnell aufwärts, denn schon bald spielten die Musiker nicht nur auf Birgelener Kirmessen, Festen und Jubiläen, sie nahmen auch an auswärtigen Veranstaltungen z.B. in Ratheim, Luchtenberg und im benachbarten Holland teil.
Mit dem 2. Weltkrieg kam - wie für andere Vereine auch - das zwischenzeitliche „Aus für den Birgelener Musikverein.
Es dauerte bis zum Februar 1953, ehe der Verein neu gegründet wurde. Zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Heinrich Giesen, Johann Thissen ((Hoch-weis Hennes) und Josef Wolters sen., setzte sich Josef Deckers für eine Neugründung des Vereins ein. Mit den Vorkriegsmusikern Lambert Thissen, Arnold Bürsgens, Peter Heuters, Johann Beckers, Willi Stormanns und Heinrich Stein wurde er - ähnlich wie in den Vereinsgründerjahren Josef Schmitz - der Motor und Organisator des Vereins. Als Probenlokal stellte er seine Werkstatt zur Verfügung. Dank großzügiger Spenden aus der Bevölkerung und mit Hilfe von Zuschüssen der Zivil- und Kirchengemeinde konnten Instrumente angeschafft werden. Unter der Leitung von Josef Deckers begannen die ersten Proben und die Ausbildung neuer, junger Musiker.
Am Weißen Sonntag des Jahres 1953 war der erste Auftritt des wiedergegründeten Vereins. 11 Musiker begleiteten die Kommunionkinder zur Kirche. Schon in größerer Anzahl spielte der Verein am Pützchenssonntag und ihren ersten Auftritt auf der Straße hatten die Musiker beim Königsvogelschuß am Pfingstmontag. Der Musikverein war „wieder da" und ist bis zum heutigen Tag nicht aus dem Birgelener Vereinsleben wegzudenken.
Der Verein trat in den Folgezeiten bei vielen großen und kleinen Festen in Erscheinung, gab bei der Kirmesveranstaltung kleine Konzertstücke zum Besten, spielte auch beim Klompeball zum Tanz auf und erwarb sich durch seinen unermüdlichen Einsatz viele Sympathien bei Zuhörern und Zuschauern.
Das Jahr 1956 markierte wieder einen Wendepunkt in der Vereinsgeschichte. Erstmals wurde eine Generalversammlung durchgeführt. Christian Kappertz wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt und Lorenz Thissen offiziell mit der Geschäfts- und Kassenführung beauftragt. Diese beiden Ämter übte Lorenz fast 40 Jahre aus. Besser kann man Verbundenheit mit dem Verein nicht zeigen! 1956 errang Lorenz Thissen übrigens auch die Königswürde bei der Schützenbruderschaft. Diesem Beispiel folgten in den nächsten Jahren Hans-Jochaim (Büb) Wolf, Josef Thissen, Josef Michels, Arno Bürsgens und Lorenz Thissen zum zweiten Mal.
Im Jahre 1958 konnten neue Uniformen angeschafft werden, die die Musiker der Birgelener Bevölkerung zur Frühkirmes präsentierten. Auf der Generalversammlung wurde Karl-Josef Thissen zum neuen Vorsitzenden gewählt, dem 1962 Johannes Thissen in diesem Amt folgte. Auch musikalisch vollzog sich ein Wandel: Josef Deckers - mit Leib und Seele Freund der Marschmusik - führte seine Musiker langsam und behutsam an die konzertante Musik heran. Erfolge im eigenen Dorf bestätigten die Richtigkeit des Weges und schon bald wurde der Verein auch zu Konzerten in die nähere und weitere Umgebung eingeladen.
Der Erfolg bei diesen Konzerten ließ den Gedanken aufkommen, selbst einmal ein großes Konzert mit Marsch- und konzertanter Musik zu veranstalten. Dieser Plan konnte jedoch erst mit dem Bau und der Vollendung der Turnhalle im Jahre 1967 verwirklicht werden.Das erste Konzert – es erhielt wegen seiner terminlichen Lage den Namen „„Winterkonzert – fand dann am 13. Januar 1968 in der Turnhalle statt. Seit dieser Zeit gehört das Winterkonzert in den ersten Januartagen eines jeden Jahres zum festen Programm des Vereins.
Zur Stärkung der Vereinskasse nahm der Verein nicht nur am Wassenberger Karnevalszug, sondern auch an den Karnevalszügen in Erkelenz und Mönchengladbach teil.
Das erste eigene Musikfest wurde zum 40-jährigen Jubiläum geplant. Obwohl die Gestaltung eines solchen Festes für alle Mitglieder Neuland war, gingen sie mit viel Eifer an die umfangreichen Arbeiten. Da das Trommlercorps 1965 sein Jubiläum beging, feierte der Musikverein mit einem Jahr Verspätung am 18. und 19. Juni 1966. Neben dem Festbankett am Samstag Abend, mitgestaltet vom Musikverein Myhl und den Männergesangvereinen aus Wassenberg und Orsbeck, spielten am Sonntag 24 Vereine beim großen Festzug auf. So mancher musikalische Leckerbissen wurde beim abschließenden Bühnenspiel auf der Festwiese neben der Kirche dem Publikum geboten.
Zur Frühkirmes im Jahre 1968 wurden wieder neue Uniformen angeschafft, doch blieb der Verein in der Folgezeit – wie übrigens andere Vereine auch – nicht von Krisen verschont. Dies lag u.a. auch daran, dass Josef Deckers, der Dirigent und Motor des Vereins, im Jahre 1969 so schwer erkrankte, dass er sein Amt nicht mehr ausüben konnte. Karl-Josef Thissen übernahm nun vorübergehend die musikalische Leitung des Vereins. Josef Deckers kehrte zwar zum Winterkonzert 1971 noch einmal ans Dirigentenpult zurück, starb aber am 25. Februar an den Folgen seiner tückischen Krankheit.
Im Jahre 1970 hatte es einen Wechsel in der Vereinsführung gegeben: Franz Sanders löste Johannes Thissen als Vorsitzender ab, und im Jahre 1971 wurde auf der Generalversammlung Josef Michels zum Nachfolger gewählt, der dieses Amt bis ende der 90er Jahren bekleidete. Karl-Josef Thissen übernahm nach dem Tode von Josef Deckers den Dirigentenstab. Von Hause aus Kirchenmusiker (Chor, Orgel, Klavier) versuchte er, sein musikalisches Wissen, das er beim Studium am Konservatorium erworben hatte, an seine Musiker zu vermitteln. Die Jugendarbeit wurde verstärkt und bis zum 50-jährigen Jubiläum erhöhte sich die Mitgliederzahl auf 35, zum Teil sehr junge Mitglieder.
Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte dieser Zeit waren zweifellos die Einladung und Fahrt zur Maifeier der Partnerstadt Ponterson (F) vom 4. bis 7.5.1973. Der Verein hatte ein Mammutprogramm zu bewältigen: An zwei Tagen nahm er an 6 Veranstaltungen teil und spielte sich sehr schnell in die Herzen der Zuhörer.
Das Jahr 1974 stand schon im Zeichen der Vorbereitung auf das große Jubiläum im Jahre 1975. Eines der ehrgeizigen Ziele war es, zum Jubiläum einen neuen Kaiserbass zu präsentieren. Dazu zog man sonn- und feiertags mit einem Nagelbrett durch die Gaststätten und rechtzeitig zum Fest war das Geld für den neuen Bass zusammen.
Die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum fanden dann vom 25. bis 28 April 1975 statt. Beim Festbankett unter der Schirmherrschaft von Rainer Sanders wurde der neue Kaiserbass an Josef Michels überreicht. Die Partnerschaftskapelle der Freiwilligen Feuerwehr Osterspai /Rhein sorgte an den Festtagen für gute Stimmung. Besonders wenn der 6-jährige Nachwuchsdirigent den Taktstock ergriff, kannte der Applaus kein Ende. Dankend nahm der Musikverein Birgelen die Einladung zum Gegenbesuch für den August 1975 an. Höhepunkt des Jubiläums war nach dem sonntäglichen Festzug das Gemeinschaftsspiel aller 26 Gastvereine unter dem Dirigat von Karl-Josef Thissen.
Nach dem Jubiläum stieg die Mitgliederzahl des Musikvereins stetig an. Dies hatte seinen Grund vor allen Dingen darin, dass der Verein sich nach langem Ringen und heftigen Diskussionen im Herbst 1975 dazu entschließen konnte, auch Mädchen in seinen Reihen aufzunehmen. Diese damals so schwierige Entscheidung erwies sich im Nachhinein als richtig und segensreich für den Verein.
Der Gedanke, den heimischen und auswärtigen Musikfreunden auch im Sommer etwas Besonderes zu bieten und gleichzeitig die finanzielle Lage des Vereins zu verbessern, beschäftigte den Vorstand schon seit langer Zeit. Auf der Versammlung am 8.11.1976 beschloß man eine Veranstaltung im Wald durchzuführen, bei der neben musikalischen Darbietungen auch für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt werden sollte. Das 1. Waldfest stieg am Vatertag des Jahres 1977 und wurde trotz einiger Anfangsschwierigkeiten ein Erfolg. Seit der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der Freiw. Feuerwehr Birgelen im Jahre 1979 hat das Waldfest am Hoferberg einen festen Platz im Terminkalender vieler Gäste aus nah und fern.
Die Heimat der Musiker ist der Probenraum. Wurde nach der Wiedergründung in der Werkstatt von Josef Deckers zwischen Maschinen und Hobelbänken geprobt, ließ die steigende Mitgliederzahl Mitte der 70er Jahre eine geordnete Probe in diesem Raum nicht mehr zu. Mit Unterstützung von Änne Deckers bauten die Musiker 1977 einen Teil des stillgelegten Möbellagers oberhalb der Werkstatt zum Probenraum um. Der Wunsch, einen eigenen Probenraum zu haben hatte sich erfüllt.
Wieder einen Wendepunkt in der Vereinsgeschichte bedeutete die Verpflichtung des neuen Dirigenten Willi Brudermanns aus Karken im August 1978. Er vermittelte und erweiterte die musikalischen Grundkenntnisse bei jüngeren und älteren Spielern. Er verstand und versteht es immer wieder, seine Musiker zu neuen Leistungssteigerungen anzuspornen. Er wurde der neue Motor des Vereins und ist es bis heute geblieben.
Neben Willi Brudermanns war es Hans Werner Thissen (Thisses Ponn), der als Vizedirigent sich um die Ausbildung des Nachwuchses kümmerte. Er führte die jungen Spieler in Nachwuchsgruppen zusammen und probte mit ihnen kleine Märsche ein, die bei den Winterkonzerten zu Gehör gebracht wurden. Sein persönlicher Probenraum war die eigene Weberei, wo er zwischen laufenden Webmaschinen ungestört sein Instrument spielen konnte. Leider verstarb er viel zu früh im Jahre 1985 und hinterließ eine große Lücke im Verein.
1979 kam es auf Beschluss der Generalversammlung zur Gründung des Fördervereins der „Passiven" Mitglieder. Diese am Anfang noch kleine Gruppe unterstützt ideell und finanziell den Musikverein und seine Jugendarbeit. Zum Dank dafür haben sie zu allen öffentlichen Veranstaltungen des Vereins freien Eintritt. Mittlerweile hat die Zahl der „Passiven" Mitglieder die 200 weit überschritten.
Außer bei den Auftritten zu Karneval, Kirmessen und kirchlichen Anlässen, wurde der Musikverein auch für die Menschen aktiv, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. So spielte man in den Jahren 1978 und 1979 beim Sommerfest der Behindertentagesstätte „Hepheta in Mönchengladbach auf. Am Ostermontag des Jahres 1980 wirkte der Musikverein wieder bei einem Wohltätigkeitskonzert mit. Zusammen mit dem Instrumentalverein Effeld und dem Jugendakkordeonorchester Hilfarth spielten die Musiker zu Gunsten des Indien-Hilfswerkes Heinsberg.
Der Ausflug am 4 Juli 1980 nach Hamburg startete unter schlechten Vorzeichen und endete für einige Vereinsmitglieder schmerzlich. Einen Tag vor Abfahrt geriet das gebuchte Hotel in Konkurs, eine gleichwertige Unterkunft war so schnell nicht zu beschaffen. Im „Alten Land" vor den Toren Hamburgs fand man dann doch ein Quartier. Das schlechte Wetter bei der Stadtrundfahrt, dem anschließenden Hafenkonzert an den Landungsbrücken und der Hafenrundfahrt taten der Stimmung keinen Abbruch. Beim Frühschoppenkonzert im Innenhof des Hotels am Sonntag Morgen lachte schon wieder die Sonne. Überschattet wurde der Ausflug durch einen Verkehrsunfall, bei dem das Mitglied Franz Sanders schwer und die anderen Insassen des Fahrzeugs leicht verletzt wurden.
Im Jahre 1980 gab es auch die erste „Musikerehe". Saxophonistin Angelika Heckers und Trompeter Karl Heinz Michels heirateten am 25.10.80 in der Pfarrkirche zu Birgelen.
Im Herbst 1982 trat der Verein dem Deutschen Volksmusikerbund bei. Er konnte dadurch die Ausbildung des Nachwuchses verbessern und auch an Wertungsspielen des Musikerbundes teilnehmen. Seminare und Vortragsreihen des Verbandes halfen und helfen bei einer effektiven Vereinsarbeit.
Zum Ausflug im Jahre 1983, wurde die Musikpartnerschaft mit Osterspai /Rhein wieder aktiviert. Beim 50-jährigen Jubiläum des Musikzugs der Freiw. Feuerwehr hinterließen die Birgelener Musiker sowohl bei den Aufzügen, als auch bei ihren Konzerten einen äußerst guten Eindruck. Die Osterspaier Musikfreunde staunten und freuten sich über die Leistungssteigerung ihres Partnervereins.
Am Samstag, den 19. Mai 1984, fuhren 49 Musiker voller Spannung zum ersten Wertungsspiel in der Vereinsgeschichte nach Bergisch-Gladbach,. In der Mittelstufe stellte man sich mit den Musikstücken „Fantasie in Blue und „The Beatles in Concert den Wertungsrichtern. Ein 1.Rang war der Lohn für die Mühen der Probenarbeit.
Anfang 1984, die Zahl der Musiker war mittlerweile auf 50 Mitglieder angewachsen, herrschte drangvolle Enge im Probenraum. Wieder einmal zeigte die Familie Deckers und hier besonders „Vereinsmutter Änne Deckers ihre Verbundenheit mit dem Verein und gab grünes Licht für eine Vergrößerung. In den Sommerferien legten die Musiker tatkräftig Hand an und die Raumgröße wurde verdoppelt. Selbst eine Theke als kommunikatives Zentrum wurde eingebaut. Im September 1984 segnete Pfarrer Steinrath den Raum feierlich ein und übergab ihn seiner Bestimmung. Diesen Raum als ihren Probenraum noch lange zu behalten, ist der Wunsch aller Vereinsmitglieder.
Im Jahre des 60-jährigen Jubiläums ging ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. 53 Musiker traten beim Winterkonzert am 12. Januar 1985 in neue Uniformen auf und dokumentierten auch äußerlich den Wechsel zur orchestralen, konzertanten Musik. Im modisch weinroten Bläser, mit schwarzer Hose und Emblem auf der Brusttasche sind die Birgelener Musiker eine Augenweide bei den Aufzügen und Konzerten
Die Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen wurden auf das lange Wochenende vom 17. bis 19. Mai 1985 terminiert. Hochmotiviert und mit vollem Elan ging man an die Vorbereitungen, sollten die Festtage doch nur mit eigenen Kräften gestaltet und ein unvergessliches Erlebnis für die Bevölkerung werden |